Bolle – der „Edelfan“ des Basketballs

Wer sich etwas regelmäßiger den Münchner Basketball-Events im Audi Dome oder der Siegenburger Straße widmet, der stolpert früher oder später über Bolle. Selbst Persönlichkeiten wie Buschi wissen genau, wer Bolle ist und bezeichnen ihn in der Live-Moderation als „Basketball-Edelfan“. Wir haben Bolle vor dem letzten Finalspiel mal zum Gespräch gebeten.

Hi Bolle, sag mal, woher kommt dein Spitzname?
Eigentlich ist „Bolle“ eine bekannte Figur bei den Pfadfindern. Er ist eine fiktive Person, die das Leben in all seinen Facetten aufnimmt, gerne aktiv dabei ist und daran seinen Spaß findet. Wobei ich dabei am friedlichen und fröhlichen Leben teilnehme – Gewalt aller Art auszuleben widerspricht der Bedeutung des Lebens und hier speziell dem Basketball. Ich selbst war nicht bei den Pfadfindern, aber meine Schwester hatte das Liedheft der Pfadfinder, die sogenannte Mundorgel. Darin taucht die Figur auf und ich fand das sehr passend. Also habe ich mir selbst den Spitznamen Bolle verpasst. 2012 dürfte das gewesen sein.

War das zur gleichen Zeit, als du zum absoluten Basketball-Supporter wurdest?
Nein, den ersten Kontakt zu Basketball hatte ich Anfang der 80er Jahre in meiner Geburtsstadt Hagen. Dort ist es noch vor Fußball die Sportart Nummer 1 – damals gab es mit dem SSV und dem TSV Hagen sogar zwei Mannschaften in der BBL. Ein Kumpel hat mich zu einem Freundschaftsspiel mitgenommen und diese Begegnung hat mich direkt mit dem Basketballfieber infiziert. In München bin ich 2010 aktiver geworden, als es professionalisiert wurde.

Dieses Fieber hat sich bis jetzt gehalten.
Ja, absolut. Das schnelle Spiel mit all der Technik, Dynamik und vor allem auch überraschenden Wendungen faszinieren mich ungemein. Ein Spiel ist Teil einer Saison, eine Saison wiederrum ein Abschnitt einer Laufbahn für Fans, Spieler, Schiedsrichter oder Funktionäre und damit auch ein Abschnitt im Leben, unabhängig vom Alter oder Herkunft oder Geschlecht. Basketball ist wie ein Spiegel im Leben: Es gibt Gewinne und Verluste, es gelingt oder misslingt eine Aktion, das kann sehr schnell passieren. Gerade den Spielern begegnen erwartbare und unerwartete Situationen, mit denen sie spontan umgehen müssen und dadurch wachsen können, sowohl körperlich, geistig als auch charakterlich. Wenn am Ende einer Saison Titel vergeben sind, dann ist das die höchste Auszeichnung einer Gemeinschaft für einen bestimmten Leistungszeitraum. Wer nicht zu den Titelträgern gehört, wird dennoch wachsen und Neues dazulernen.

Du trägst viele Schals in deinem Fan-Outfit. Hast du einen Parallelliebling zum FCBB?
So an sich nicht. Ich freue mich für Teams, die man eigentlich nicht so auf dem Schirm hat, wie Bayreuth in der Saison 2017/2018 oder Rasta Vechta in der Saison 2018/ 2019. Ich habe quasi einen wohlwollenden Blick auf vermeintliche Underdogs. Doch finde ich es genauso wichtig, unabhängig von der eigenen Herkunft und der Verbundenheit zu einem Verein Fairness, Respekt und Toleranz zu zeigen, denn: Don´t be part of the problem, be part of the solution. Durch das Tragen der Schals, den Aussagen und Attributen auf meinen Trikots, Shirts und der Trommel, durch gemeinsame Gespräche und durch die Stimmungsmoderation mit der Trommel hoffe ich, dazu beitragen zu können. Und dafür bin ich auch Befürworter und so gut wie möglich Unterstützer von Fans respect Fans e. V.

Bolle trommelt nicht einfach nur, sondern vertritt aktiv ganz besondere Werte, die Basketball für ihn bedeuten.

Wer dich kennt, weiß, dass du an einem Spieltag nicht nur in der BBL trommelst, sondern auch die Jugend begleitest. Da können schon mal 4 Spiele pro Tag zusammenkommen.
Ja, das ist sicherlich ein Stück Organisation und oft, gerade bei Auswärtsspielen, kommt es auf den Transport an – meine Trommel muss ja auch mit! (lacht). Ich bin sehr dankbar, dass mich Menschen im PKW zu Spielen mitnehmen, von einer Halle in die nächste oder von einem Spiel nach Hause fahren. Das ist nicht selbstverständlich und etwas wirklich Besonderes!

Die Arbeit ist in dieser Organisation ein Punkt im Kreislauf: Ich arbeite für das Gelingen des Lebens der Menschen, das ist meine Pflicht und bekomme dafür Gehalt, das ist mein Recht. Und so ist es im Basketball auch: Der Support ist meine Pflicht. Kinder, also auch unsere jüngsten Nachwuchsspieler, können sehr leicht entmutigt und enttäuscht sein, wenn etwas nicht gelingt. Und bevor sie aufgeben, freut es mich, wenn ich sie beim Durchhalten unterstützen kann. Für mich ist das eine sehr schöne Gelegenheit, etwas nach meinen Möglichkeiten mitgestalten zu können. Dies gilt natürlich gleichermaßen auch für unser Damen-Team, das 4. Herren-Team und auch für unser „junges“ Ü 35-Herren-Team, das auch Deutscher Meister wurde.

Hast du einen Lieblingsspieler?
Einen klassischen Favoriten habe ich nicht, aber es gibt sicherlich welche, mit denen ich ein spezielles Erlebnis oder eine besondere Verbundenheit habe. Aber an sich bin ich eher auf das Team als Ganzes ausgerichtet, weil das für mich das Leben an sich widerspiegelt. Allein kann man selten sehr viel bewegen – erst, wenn es Menschen gibt, mit denen man gemeinsam positiv an Lösungen arbeiten kann.

Welche Eigenschaften schätzt du bei Spielern am meisten?
Wenn Spieler nicht auf ihre statistischen Werte achten, sondern dafür sorgen, dass eine Aktion so gut wie möglich gestaltet werden kann – ohne das jeweilige Ego darüber zu stellen. Sie sollen sich als Team profilieren, nicht als Einzelkünstler. Lieber 15 Pässe spielen und einen sicheren Abschluss erzielen als permanent einen oder zwei Spieler im Versuch sehen, alles zu dominieren.

Derrick Williams ist ja aber sehr für seine spektakulären Dunks bekannt.
Auf den ersten Blick sieht das so aus, aber auch zu ihm muss der Ball erst mal kommen. Manche Spielsituationen ergeben sich auch passend für so eine Aktion, ob nun von Derrick, Danilo oder Book. Es sollte aber nicht das ausschließliche Ziel sein.

Zum Abschluss: Welche Veränderung für den FCBB wünschst du dir?
Verbessern würde ich auf jeden Fall die gemeinschaftliche Kommunikations- und Aktionsbereitschaft zwischen dem FCBB und dem Fanclub. Mit Blick auf die Entwicklung der letzten 2 Jahren bin ich optimistisch, weil es jetzt eine Konstanz bei den Ansprechpartnern sowohl bei den BIGREDS als auch den Sponsoren und dem FCBB gibt. Vorausplanungen zu Choreografien oder anderen Fanaktionen können dadurch leichter umgesetzt werden, weil auch das gegenseitige Vertrauen wächst. Eine größere Vorlaufzeit und bessere genehmigte Rahmenbedingungen und Möglichkeiten machen es in der Entwicklung harmonischer. Der VIP-Kartenbesitzer zählt da übrigens genauso dazu wie die Fans in der Arena Süd. Je besser wir in einer Gemeinschaft agieren und kommunizieren, desto wertvoller wirkt der Support. Die Aktion mit dem Gestalten des Streetballcourts bei Z common Ground war dafür ein aus meiner Sicht großartiges Beispiel.


Stand: Juli 2019

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